Impingement-Syndrom – ein Engpass unter dem Schulterdach

Das Impingement-Syndrom zählt zu den häufigsten Beschwerden im Schulterbereich. Sehr oft sind Menschen davon betroffen, die ihre Schulter einseitig überstrapazieren, etwa durch intensive Überkopf-Bewegungen. Dazu zählen Leistungssportler, wie Volleyballer, oder Bodybuilder, aber auch Maler oder Mechaniker. Aber auch eine dauerhafte Fehlhaltung am Schreibtisch kann begünstigend wirken. Oftmals ist dann der Arm betroffen mit dem die Computermaus bedient wird.

Impingementbeschwerden der Schulter sind auch Teil des als „Mausarm“ bekannten Syndroms. Der „Mausarm“ oder auch RSI-Syndrom („Repetitive Strain Injury“), wird – wie der Name schon sagt – durch eine dauerhafte Belastung aufgrund vom Computerarbeit hervorgerufen.

Was bedeutet das Impingement-Syndrom in der Schulter?

Die Bezeichnung “impingement” kommt aus dem Englischen und bedeutet “Zusammenstoß”.

Das Impingement-Syndrom stellt im eigentlichen Sinne keine einheitliche Diagnose dar, sondern ist ein Überbegriff für ein Einklemmen unterschiedlicher anatomischer Strukturen im Bereich des Gelenks, in diesem Fall der Schulter. Dies kann verschiedene Ursachen haben.

Das sogenannte subacromiale Impingement, auch „Outlet Impingement“ genannt, ist die vermutlich häufigste Form. Hierbei kommt es zu einem Engpasssyndrom zwischen Schulterdach (Acromion) und Oberarmkopf. In diesem an sich schon engen Raum (Subacromialraum) befinden sich u.a. die Sehnen der sogenannten Rotatorenmanschette. Das ist die Muskelgruppe, die hauptverantwortlich für einen Großteil der Schulterbewegungen ist.

Den Sehnen aufgelagert ist ein Schleimbeutel (Bursa), welcher als Verschiebeschicht zwischen Sehnen und Schulterdach dient. Der vordere Rand des Schulterdaches stellt die engste Stelle in diesem Raum dar. Gewisse angeborene anatomische Formen des Schulterdachs können genau dort eine räumliche Enge weiter begünstigen.

Impingement-Syndrom: Ursachen und Symptome

Dem Impingement-Syndrom können, wie bereits erwähnt, unterschiedlichste Ursachen zugrunde liegen. Es kann beispielsweise durch degenerative Prozesse im Bereich der Sehnen oder durch angewöhnte Fehlhaltungen und Fehlbewegungen im Bereich des Schultergürtels zu einer zusätzlichen Einengung des Subacromialraumes (dem Raum unter dem Schulterdach) kommen. Dies kann wiederum zu einer entzündlichen Reaktion führen. Diese Entzündung geht mit einer weiteren Einengung im Subacromialraum einher und verstärkt das Beschwerdebild. Eine Art Teufelskreis. Häufig kommt es zu einer Entzündung des Schleimbeutels in dieser Region (Bursitis subacromialis).

Durch länger bestehende Engpasssyndrome kann es außerdem zu einer Schädigung der Sehnen der Rotatorenmanschette, bis hin zu einem Sehnenriss, kommen. Am häufigsten betroffen ist die Sehne des Obergrätenmuskels (Musculus supraspinatus).

„painful arc“ ist eines der Symptome

Klinisch kommt es in der Regel beim Seitwärtsheben des Arms zu Schmerzen im Bereich der Schulter, vor allem zwischen 70° und 120°. Wird der Arm weiter kopfwärts geführt, bessern sich die Schmerzen meist. Dieses recht typische Symptom wird auch “painful arc” (schmerzhafter Bogen) genannt. Zusätzlich können auch Schmerzen in Ruhe oder besonders nachts auftreten, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite. Dies kann die Nachtruhe deutlich beeinträchtigen.

Spezielle Tests bei der klinischen Untersuchung können die geäußerten Schmerzen meist provozieren und dienen somit zur Diagnosestellung.

Röntgenbilder liefern oftmals zusätzliche Hinweise über eine anatomische Enge des Subacromialraumes. Ein MRT kann eine Entzündung des Schleimbeutels zeigen und eine Ruptur (Riss) der Rotatorenmanschette ausschließen bzw. bestätigen.

Behandlung des Impingement-Syndroms

Am Anfang der Behandlung steht zumeist die Physiotherapie kombiniert mit einer anti-entzündlichen medikamentösen Therapie. Auch entzündungshemmende Injektionen unter das Schulterdach (Infiltrationen) können versucht werden. Sollte diese konservative Methode keine dauerhafte Linderung hervorrufen, kann auch operativ behandelt werden.

Gezielte Übungen helfen

Durch gezielte Übungen kann bei vielen Patienten eine dauerhafte Beschwerdefreiheit erreicht werden. Diese Übungen zielen vor allem auf eine Optimierung der Bewegungsabläufe und die Stärkung der Muskulatur (Depressoren- und Skapulafixationstraining) des Schulterblattes ab. Dadurch kann der Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf wieder etwas erweitert werden. Unterstützt wird das Bewegungstraining durch Medikamente, die den Entzündungsprozess lindern und schmerzstillend wirken. Es gibt einige Übungsanleitungen im Internet. Die Übungen sollten jedoch mit einem Physiotherapeuten und nicht allein zu Hause gelernt werden. Bei derartigen Übungen ist es wichtig im richtigen Winkel zu trainieren. Den notwendigen Überblick kann Ihnen nur ein ausgebildeter Physiotherapeut an Ihrer Seite bieten und Sie entsprechend korrigieren.

Ist ein operativer Eingriff nötig?

Haben Patienten auch nach mehrmonatiger (2-3 Monate) intensiver Physiotherapie weiterhin Schmerzen, kann im Rahmen einer sogenannten Arthroskopie der Schulter (Gelenksspiegelung) die genaue Ursache dargestellt und operativ behoben werden. Bei der arthroskopischen subacromialen Dekompression wird durch Entfernen des meist entzündlich veränderten Schleimbeutels, sowie ein eventuelles Abtragen einer Knochenkante des Schulterdachs wieder genügend Platz für Sehnen und Weichteile geschaffen. Diese minimal-invasive Operation führt in der Regel zu sehr guten klinischen Ergebnissen.